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Verbundprojekte


Hier finden Sie eine Auflistung der geförderten Forschungsschwerpunkte, an denen Kolleg:innen aus verschiedenen Disziplinen der Fakultät beteiligt sind. Daneben verfolgen die Fächer und einzelne Forscher:innen zahlreiche weitere individuelle oder fachbezogene Projekte, die über die Institute eingesehen werden können.


DFG-Graduiertenkolleg 2132: Das Dokumentarische. Exzess und Entzug

Sprecher: Prof. Dr. Friedrich Balke (Institut für Medienwissenschaft)

Das an der Fakultät für Philologie der Ruhr-Universität Bochum angesiedelte Graduiertenkolleg „Das Dokumentarische. Exzess und Entzug“ untersucht die Theorie und Geschichte dokumentarischer Formen von der Entstehung technischer Analogmedien im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart digitaler Medienpraktiken. Im Zentrum steht dabei die Frage, welche Operationen es sind, die die spezifische Autorität des Dokumentarischen verbürgen und mit welchen Verfahren es gelingt, den Wirklichkeitsanspruch dokumentarischer Formen zu bestreiten. Aus einer praxeologischen Perspektive geraten dabei vor allem die konkreten Handlungen in den Blick, die die jeweiligen bild-, text- und tonmedialen Elemente und Materialien zu einer bestimmten dokumentarischen Form zusammenführen, um so die Lesbarkeit, den Aussagewert und die Machtwirkungen des Dokumentierten zu steuern.

Exzellente Promovierende erforschen, wie es Literatur, Fotografie, Film und digitalen Medien jeweils gelingt, zu dokumentarischen Leitmedien aufzusteigen und wie dieser dokumentarische Anspruch auf Wirklichkeitserfassung zugleich auch unterlaufen und in Frage gestellt wird. Zwei Konzepte stehen sich dabei gegenüber: Das Dokumentarische 2.0 in den Social Media-Praktiken, mit denen Menschen ihren Alltag umfassend dokumentieren, und das Dokumentarische zweiter Ordnung, das man auch ein reflexives Dokumentieren nennen könnte. Der dokumentarische Exzess trifft auf Formen und Modi des dokumentarischen Entzugs, die die unvermeidliche Selektivität allen Dokumentierens exponieren, seine blinden Flecken, aber auch um seine experimentellen Formen und künstlerischen Verfremdungen. Die Erforschung dieses Spannungsverhältnisses geschieht in den vier Arbeitsbereichen „Formengeschichte und Theoriebildung des Dokumentarischen“, „Medien-Poetiken des Dokumentarischen“, „Selbstdokumentation und Affektkulturen“ sowie „Techno-Politiken des Dokumentarischen“.

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DFG-Forschergruppe 2288: Journalliteratur. Formatbedingungen, visuelles Design, Rezeptionskulturen

Ruhr-Universität Bochum | Philipps-Universität Marburg | Universität zu Köln

Sprecherin: Prof. Dr. Nicola Kaminski (Germanistisches Institut, Ruhr-Universität Bochum)

Buchpublikation erscheint immer noch als der selbstverständliche Normalfall literarischer, druckgraphischer und fotografischer Publikation. Das in der zeitgenössischen (Erst-)Rezeption Texte und Bilder materialiter ganz anders vor Augen lagen, dass die Buchform auf dem literarischen Markt seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert nur eine mediale Option darstellt, bleibt in der Regel unberücksichtigt. Dies ist der materialbezogene Einsatzpunkt der Forschergruppe »Journalliteratur«: Geleitet durch medienhistorische, materialphilologische und medienkulturwissenschaftliche Erkenntnisinteressen, untersucht sie unter dem Dachbegriff ›Journalliteratur‹ Texte und Bilder im medialen Verbund an ihren zeitgenössischen (Erst-)Publikationsorten. Als markt- und publikumswirksame Alternativen zum Buch werden in einem weitgefächerten medialen Spektrum periodische Publikationsformate des ›langen‹ 19. Jahrhunderts untersucht, vor allem Zeitungen und Zeitschriften, aber auch Zwischenformen wie das literarische Taschenbuch oder Lieferungswerke. Dabei geht es nicht darum, ›Journalliteratur‹ gegen ›Buchliteratur‹ auszuspielen. Vielmehr zielt das Forschungsvorhaben von der Materialität des Mediums aus auf eine Neubewertung des medialen Ganzen von Journalliteratur und Buchliteratur in seinen Wechselwirkungen. Mittelfristiges Ziel ist es, durch solche materialorientierte Re-vision Grundlagen zu schaffen für eine Medienliteraturgeschichte des 19. Jahrhunderts, die dem Neben-, Mit- und Gegeneinander von Text und Bild ebenso Rechnung trägt wie den bedeutungskonstitutiven Effekten von journal- und buchliterarischen Formen der Distribution, der Visualität und der Archivierung.

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