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Verbundprojekte


Hier finden Sie eine Auflistung der geförderten Forschungsschwerpunkte, an denen Kolleg:innen aus verschiedenen Disziplinen der Fakultät beteiligt sind. Daneben verfolgen die Fächer und einzelne Forscher:innen zahlreiche weitere individuelle oder fachbezogene Projekte, die über die Institute eingesehen werden können.


DFG-Sonderforschungsbereich 1475: Metaphern der Religion: Religiöse Sinnbildung in sprachlichen Prozessen

Sprecher: Prof. Dr. Volkhard Krech (Centrum für Religionswissenschaftliche Studien)
Ko-Sprecherin: Prof. Dr. Stefanie Dipper (Sprachwissenschaftliches Institut)

Metaphern dienen dazu, Unbeschreibbares beschreibbar zu machen. Daher, so die Ausgangshypothese im SFB 1475 „Metaphern der Religion: Religiöse Sinnbildung in sprachlichen Prozessen“, spielen Metaphern in der Religion eine grundlegende Rolle. Mit metaphorischer Sprache können sprachliche Bilder und Konzepte von einem semantischen Bereich in einen anderen – insbesondere den der Religion – übertragen werden. 

Insgesamt 16 Teilprojekte sowie ein integriertes Graduiertenkolleg werden gefördert. Beteiligt sind neben dem federführenden Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES) die Fakultät für Philologie, die Fakultät für Ostasienwissenschaften, die Katholisch-Theologische Fakultät sowie das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Dank dieser multidisziplinären Zusammensetzung kann im SFB eine große Bandbreite von Religionen – Christentum, Islam, Judentum, Zoroastrismus, Jainismus, Buddhismus und Daoismus – mit Textquellen in verschiedenen Sprachen von 3000 v.Chr. bis heute untersucht werden. Methodisch beschreitet der SFB neue Wege, indem korpus- und computerlinguistische Verfahren zum Einsatz kommen, die vergleichende Untersuchungen der Ergebnisse aus den einzelnen Teilprojekten ermöglichen. Damit sollen gemeinsame, religionen- und sprachübergreifende Tendenzen wie auch singuläre Phänomene im Metapherngebrauch identifizierbar gemacht werden.

Die Fakultät für Philologie ist mit folgenden Teilprojekten am SFB beteiligt:

A01/Prof. Dr. Johann Büssow (Seminar für Orientalistik und Islamwissenschaft): „Weg und Rechtleitung. Die Entwicklung koranischer Raum- und Bewegungsmetaphern in der Tafsīr-Literatur“. In der islamischen Tradition nehmen Raum- und Bewegungsmetaphern eine prominente Stellung ein. Das wohl bekannteste Beispiel dafür ist der für das Projekt titelgebende Koranvers "Leite uns den geraden Weg" (hdinā aṣ-ṣirāṭ al-mustaqīm, Q 1:6). Das Teilprojekt untersucht epochenübergreifend, wie koranische Leitmetaphern in der Koranexegese (arab. tafsīr) gedeutet und weiterentwickelt werden, um unterschiedlichen religiösen Vorstellungen Ausdruck zu verleihen. Ein zweiter Untersuchungsschwerpunkt sind Bedeutungsverschiebungen im Rahmen des wechselseitigen Transfers von Raum- und Bewegungsmetaphern zwischen dem arabischsprachigen Korankommentar und anderen literarischen Gattungen und Sprachen.

B01/Prof. Dr. Stefanie Dipper (Sprachwissenschaftliches Institut, zusammen mit Dr. Frederik Elwert/CERES): „Der Arzt Jesus und die Salberin Maria im Einsatz um das Heil der Gläubigen. Eine Mixed-Methods-Analyse medizinischer Metaphorisierungen in deutschsprachigen Texten des Mittelalters“. Dieses Projekt beschäftigt sich mit medizinischen Metaphern in mittelhochdeutschen Texten wie beispielsweise „Seelenheil“, wo es also um die „Heilung“ (= „Erlösung“) der Seele geht. Für die philologisch-hermeneutischen Untersuchungen werden Texte mit linguistischen und außersprachlichen Informationen annotiert. Außerdem wird ein System implementiert, das Metaphern automatisch erkennen soll.

C01/Prof. Dr. Reinhold Glei (Seminar für Klassische Philologie): „Grammatik als religiöse Metapher“. Die grammatische Terminologie steckt voller Metaphern, die wir meistens nicht mehr wahrnehmen. Das Projekt untersucht lateinische (und kontrastiv arabische) Texte, die gängige Metaphern wie 'Fall' oder 'Beugung' revitalisieren und für religiöse Deutungen funktionalisieren.

C03/Prof. Dr. Linda Simonis (Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft): „Metaphern des Alltäglichen“. Metaphern, die dem Bildbereich des Alltäglichen entstammen, sind für religiöses Sprechen besonders interessant, da sie die Gegensätze von Niederem und Hohem, Göttlichen und Menschlichem zugleich bezeichnen und zu überbrücken suchen. Die paradoxe Gestalt dieser Metaphern untersucht das Projekt an zwei Autoren humanistischer Provenienz: Cusanus und Melanchthon.

C04/Prof. Dr. Tatjana Scheffler (Germanistisches Institut, zusammen mit Dr. Frederik Elwert/CERES): „Metapher und soziale Positionierung in religiösen Online-Foren“. Das Projekt erforscht, inwiefern Metaphern sozialer Rollen in den Äußerungen von religiösen Laien in Online-Foren verwendet werden. Inhaltlich steht der Einsatz von Metaphern zur Abgrenzung verschiedener Gruppen im Fokus. Auf methodischer Seite erforscht das Projekt computerlinguistische Methoden, die die Diskursstruktur der Foren nutzen, um Metaphern in großen Datenmengen teilautomatisch finden und interpretieren zu können.

INF/Prof. Dr. Stefanie Dipper (Sprachwissenschaftliches Institut, zusammen mit Dr. Frederik Elwert/CERES, Prof. Dr. Volkhard Krech/CERES, Dr. Danah Tonne/KIT): „Metapher-Basislager. Bereitstellung der gemeinsamen Datenbasis und Weiterentwicklung digitaler Forschungsmethoden für religiöse Metaphern“. Das INF-Projekt stellt die Infrastruktur für den SFB bereit. Dazu gehört insbesondere ein Thesaurus, der ein projektübergreifendes Vokabular für die Annotation von Konzepten definiert, außerdem ein gemeinsames Textrepositorium, Annotationswerkzeuge sowie Tools für die Analyse der annotierten Texte.



DFG-Graduiertenkolleg 2132: Das Dokumentarische. Exzess und Entzug

Sprecher: Prof. Dr. Friedrich Balke (Institut für Medienwissenschaft)

Das an der Fakultät für Philologie der Ruhr-Universität Bochum angesiedelte Graduiertenkolleg behandelt – seit seinem Start im Jahr 2016 – das Dokumentarische als eine zentrale Komponente zeitgenössischer Medienkulturen. In der zweiten Förderphase des Kollegs – 2021-2025 – soll ein Konzept des Dokumentwerdens entfaltet werden, das die Praktiken und technischen Innovationen erfasst, die das Feld des Dokumentierbaren hervorbringen und transformieren. Die im Kolleg organisierte Forschung trägt dabei einerseits den digitaltechnisch angetriebenen Tendenzen einer umfassenden Einschreibung des Dokumentarischen in den Alltag Rechnung und problematisiert andererseits aktuelle politisch motivierte Verwerfungen einer jeden dokumentarisch verbürgten Wahrheit.

Exzellente Promovierende erforschen, wie es Literatur, Fotografie, Film und digitalen Medien jeweils gelingt, zu dokumentarischen Leitmedien aufzusteigen und wie dieser dokumentarische Anspruch auf Wirklichkeitserfassung zugleich auch unterlaufen und in Frage gestellt wird. Zwei Konzepte stehen sich dabei gegenüber: Das Dokumentarische 2.0 in den Social Media-Praktiken, mit denen Menschen ihren Alltag umfassend dokumentieren, und das Dokumentarische zweiter Ordnung, das man auch ein reflexives Dokumentieren nennen könnte. Der dokumentarische Exzess trifft auf Formen und Modi des dokumentarischen Entzugs, die die unvermeidliche Selektivität allen Dokumentierens exponieren, seine blinden Flecken, aber auch um seine experimentellen Formen und künstlerischen Verfremdungen. Die Erforschung dieses Spannungsverhältnisses geschieht in den vier Arbeitsbereichen „Formengeschichte und Theoriebildung des Dokumentarischen“, „Bild- und Textkulturen des Dokumentarischen“, „Selbstdokumentation und Affektkulturen“ sowie „(Techno-)Politiken und Ästhetiken des Dokumentarischen“.

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DFG-Forschergruppe 2288: Journalliteratur. Formatbedingungen, visuelles Design, Rezeptionskulturen

Ruhr-Universität Bochum | Philipps-Universität Marburg | Universität zu Köln

Sprecherin: Prof. Dr. Nicola Kaminski (Germanistisches Institut, Ruhr-Universität Bochum)

Buchpublikation erscheint immer noch als der selbstverständliche Normalfall literarischer, druckgraphischer und fotografischer Publikation. Das in der zeitgenössischen (Erst-)Rezeption Texte und Bilder materialiter ganz anders vor Augen lagen, dass die Buchform auf dem literarischen Markt seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert nur eine mediale Option darstellt, bleibt in der Regel unberücksichtigt. Dies ist der materialbezogene Einsatzpunkt der Forschergruppe »Journalliteratur«: Geleitet durch medienhistorische, materialphilologische und medienkulturwissenschaftliche Erkenntnisinteressen, untersucht sie unter dem Dachbegriff ›Journalliteratur‹ Texte und Bilder im medialen Verbund an ihren zeitgenössischen (Erst-)Publikationsorten. Als markt- und publikumswirksame Alternativen zum Buch werden in einem weitgefächerten medialen Spektrum periodische Publikationsformate des ›langen‹ 19. Jahrhunderts untersucht, vor allem Zeitungen und Zeitschriften, aber auch Zwischenformen wie das literarische Taschenbuch oder Lieferungswerke. Dabei geht es nicht darum, ›Journalliteratur‹ gegen ›Buchliteratur‹ auszuspielen. Vielmehr zielt das Forschungsvorhaben von der Materialität des Mediums aus auf eine Neubewertung des medialen Ganzen von Journalliteratur und Buchliteratur in seinen Wechselwirkungen. Mittelfristiges Ziel ist es, durch solche materialorientierte Re-vision Grundlagen zu schaffen für eine Medienliteraturgeschichte des 19. Jahrhunderts, die dem Neben-, Mit- und Gegeneinander von Text und Bild ebenso Rechnung trägt wie den bedeutungskonstitutiven Effekten von journal- und buchliterarischen Formen der Distribution, der Visualität und der Archivierung.

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